Am Anfang war das Rot …

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Ab und zu krame ich in Textarchiven und finde Texte, die ich einmal selbst verfasst und veröffentlicht habe – meistens auf dem Portal „Ratschlag24.com“. In unregelmäßigem Abstand veröffentliche ich hier auf diesem Portal einige davon:

Am Anfang war das Rot …  Rot ist somit die älteste Farbbezeichnung der Welt und wahrscheinlich die erste Farbe, die Babys sehen können. Das schreibt die Farbpsychologin Eva Heller. Rot ist die Farbe aller Leidenschaften, des Lebens, der Liebe, des Feuers und der Revolution. Rot ist laut, dynamisch, auch aggressiv, oft feurig und sehr lebendig, manchmal unmoralisch. Rot drängt sich immer nach vorn – wie ein Ferrari.

Die Farbe Rot zieht sich auch wie ein roter Faden durch Uwe Timms Roman mit dem Titel „Rot“, der im Jahr 2001 erschienen ist und in Form eines aktuellen Zeitbildes die Geschichte der 30 Jahre bis zu den 68-ern bündelt und vom Scheitern großer Utopien erzählt. Es ist ein Rückblick, aber auch eine Liebes- und Lebensgeschichte zugleich. Als Monolog in der Ich-Form verfasst, ist das Buch eine Art Abschiedsrede „An die liebe Trauergemeinde“, aber durchaus voller Spannung, Ernsthaftigkeit und Komik.

Denn Thomas Linde, Jazzkritiker und Beerdigungskritiker, hat einen Unfall in der Nähe der Siegessäule in Berlin. Während er auf den Krankenwagen wartet, schwebt er sozusagen über dem Geschehen und sieht sein Leben vorüberziehen. In der Nähe liegt das Sprengstoffpaket, das er in der Wohnung seines verstorbenen ehemaligen Studienfreundes Ascheberger gefunden hat. In dem Sprengstoff sieht er ein Symbol seiner Vergangenheit, besucht während seines Schwebezustandes alte Freunde, erinnert sich an all die politischen und gesellschaftlichen Ideale der damaligen Zeit – Basisdemokratie, Marcuse, Vietnam – und zieht Bilanz.

Zeit seines Lebens hat er an einer Arbeit zum Thema „Rot“ geschrieben. Und er hat eine 20 Jahre jüngere verheiratete Freundin namens Iris, die er bei einer Beerdigung kennen gelernt hat und der er bei seinen heimlichen Treffen kleine Anekdoten von „früher“ erzählt. Und mit der er – denn sie ist Innenarchitektin – über die Wirkung der Farbe Rot nachdenkt und diskutiert. Über deren Ambivalenz und Dialektik, Signalwirkung und Schönheit.

Creative Commons Lizenzvertrag
Dieser Text von Gisela Behrendt steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz.

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